, Dani Wirz

Südlich der Südalpen: Vom Cornizzolo nach Assisi übers Kiten nach Castelluccio

Traditionelle Herbstreise PARAnoia Gleitschirmclub

Fotogallerie von Marcel   |    Fotogallerie von Dani 

Auch diesen September war wieder unsere traditionelle Flugreise in den Süden angesagt. Diesmal nur Marcel, Andi und ich zu dritt, da alle andern Interessenten ‚kniffen‘. Aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrung, waren wir bei der Ausschreibung bewusst geographisch flexibel und definierten das Ziel vage als die Süd-Alpen. Auch das war noch nicht vage genug, wie sich herausstellen sollte. Normalerweise funktioniert diese Region in der Jahreszeit sehr gut von Südfrankreich über Ivrea, Bassano, die Dolomiten bis ins Soca Tal in Slowenien. Dieses Jahr verhiessen die Wetteraussichten aber im ganzen Bereich nichts Gutes und nördlich der Alpen schon gar nicht. Nach einem schönen Wochenende zum Auftakt, samt Frühstart am Freitag war in der eigentlichen Flug-Woche zu viel Wind und Feuchtigkeit im ganzen Alpenraum angesagt. 

Auf der Hinreise konnten wir noch vom recht guten Wetter profitieren, und am Cornizzolo bei Lecco zwei schöne Flügel realisieren. Anfangs Woche  verlagern wir unsere Hoffnungen noch ein paar hundert Kilometer weiter in den Süden nach Mittel-Italien. Wir fuhren weiter bis nach Assisi, wo sich mit dem Monte Subasio ein sehr schöner, für die Region typischer, riesiger Gras-bedeckter Rücken als Startplatz und Toplandespot anbietet. Tatsächlich hatten wir einen Tag sehr gute Bedingungen für lokales Thermikfliegen  und Toplande/Proximity Spielchen, wie in San Fermo. Am zweiten Tag war es dann zeitweise etwas zu sportlich, um sich wirklich wohl genug zu fühlen am Schirm für solche Spielereien. Irgendwie war überall Leethermik…

Neben dem Fliegen am Subasio hatte uns aber auch Assisi selber wieder viel zu bieten mit seinen mittelalterlichen Charme und der urigen Abruzzen Küche. Was dann aber für mehr Adrenalin als das Fliegen sorgte, war unsere missglückte Reservation des Apartments. Noch erfolgreich bestätigter Buchung blieben unsere Versuche der Kontaktname zwecks Schlüsselübergabe erfolglos und schliesslich standen wir vor verschlossener Tür und konnten den Besitzer auch telefonisch nicht erreichen. Immerhin haben wir danach ein anderes Hotel gefunden und uns mit einem guten ausgedehnten italienischen Nachtessen verwöhnt. 

Von Assisi fuhren wir weiter an die Riviera Küste der Toscana bei Grosseto, da für ein paar Tage kein Flugwetter mehr in Sicht war. Dort hatte Marcel die Gelegenheit von Andys Kowhow und Material im Kitesurfen zu profitieren. Als Beobachter muss ich zugeben, dass der Spass den Andy als absoluter Könner damit hat, nicht zu übersehen ist!  Ich bin aber nicht so hart im Nehmen wie Marcel, der literweise Salzwasser schluckte bei seinen unermüdlichen Versuchen es Andy gleich zu tun. Der Erfolg gab Marcel trotzdem recht, ein Fortschritt innert eines Tages war deutlich sichtbar.

Nach diesem Kiting-Exkurs war Castelluccio di Norcia unser nächstes Ziel. Dies ist ein magischer Ort für jeden Gleitschirm Piloten.  Marcel und ich sind Wiederholungstäter und Andi wollten wir die Gelegenheit dazu bieten, dieses einzigartige Fluggebiet zum ersten Mal zu erleben. Die ganz starken Bedingungen blieben dieses Jahr aus. Wir hatten nie wirklich viel Wind und die Thermik war verhalten. Es war aber  durchgängig fliegbar, ideal für kurze Hike&Fly Abenteuer und für magische Momente am sog. ‚Magic Hill‘ resp. der Rotonda. Der Aufwind war an diesem kleinen Hügel derart laminar und zuverlässig, dass man full-speed wenige Zentimeter über der Grasnarbe hin und her soaren und immer wieder toplanden konnte um die schwächeren Phasen auszusitzen. Nicht die ganz grosse XC-Fliegerei, aber in der spektakulären Arena von Castelluccio ein Erlebnis der Sonderklasse! 

Nach zwei Nächten in Castelluccio dann die Heimreise an einem Tag, eine gewaltige Strecke. Bei Milano machen sintflutartige Regenfälle klar, dass wir zur rechten Zeit wieder heimwärts unterwegs sind. 

Auch wenn die geographische Eingrenzung des Reiseziel dieses Jahr wieder einmal nicht geklappt hat, waren wir einmal mehr dank genau dieser Flexibilität alle auf unsere Kosten gekommen!